Die Geheimnisse der Erika.
Mehr als 60 Prozent der in Deutschland produzierten Eriken kommen vom Niederrhein, die buschigen Pflanzen sind ein wichtiger Exportartikel. Immer wieder neue Sorten sollen neue Kaufanreize wecken. Die Eriken-Produzenten vom Niederrhein setzen hier auf Innovationen – zum Beispiel durch die Kreuzung von europäischen (winterharten) und südafrikanischen (häufig nicht winterharten) Arten mit interessanteren Blütenfarben und -formen.
Um diesen Vorsprung auch in Zukunft weiter ausbauen zu können, arbeiten in einem Förderprojekt Eriken-Züchter mit Wissenschaftlern zusammen. Am Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn wird untersucht, wie sich der Züchtungserfolg durch neue Kreuzungen beschleunigen lässt. Bisher werden in langwierigen, oft jahrelangen Versuchen Pflanzen gekreuzt, bevor eine marktfähige neue Sorte entsteht. Beim aktuellen Projekt geht es darum, eine aufwändige Verwandtschaftsanalyse für Eriken zu erstellen, die die Wahrscheinlichkeit für erfolgreiche Kreuzungen signifikant erhöht und beschleunigt.
Johannes van Leuwen, Mitglied im Züchtungsausschuss in der Sondergruppe Azerca.

Peter Tiede-Arlt, Versuchsleiter im Gartenbauzentrum in Straelen.
Vernetzung
im Verbund.
Pflanzen als Ware sind ein kurzlebiges Produkt – sie müssen zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Menge und Qualität verkauft werden können. Viele Faktoren wirken auf den Produktions- und Vermarktungsprozess ein. Und jeder einzelne dieser Faktoren kann zu Verzögerungen und damit möglichen Verlusten führen. Die Ansprüche an Planungs- und Steuerungssysteme in den Produktionsgartenbaubetrieben werden vor allem durch den zunehmenden internationalen Wettbewerbsdruck immer größer.
Das Projekt „Telematik im Gartenbau“ soll an der Schnittstelle zwischen Anbauplanung und Vermarktung die Abläufe optimieren. Unter Mitwirkung des EDV-Beratungsrings Westfalen-Lippe e.V. und von sechs Betrieben am Niederrhein wird zur Zeit eine Software entwickelt, mit der die Produktionsplanung transparenter werden soll – für mehr Sicherheit und mehr Flexibilität in Produktion und Vermarktung. Was wiederum zum effizienteren Ressourceneinsatz führt, zur umweltgerechteren Produktion beiträgt und die Wirtschaftskraft des Betriebes stärkt. Die telematische Vernetzung stärkt die vertikale Zusammenarbeit zwischen den Partnern in der Wertschöpfungskette. Das Ergebnis werden kundenorientierte, innovative Absatzstrategien sein: Just-in-time-Produktion auch im Gartenbau!

Wilhelm Ditters, Gärtnermeister vom Niederrhein, und Henning Lange von der edv-ring Gesellschaft für Hard- und Softwarelösungen im Gartenbau mbH, Münster.
Studieren, probieren, funktionieren.
Neue, frische Ideen von angehenden Maschinenbauingenieuren sollen dem Gartenbau am Niederrhein Wettbewerbsvorteile verschaffen. Dazu wurde von der Netzwerk-Initiative ein Projekt gestartet, in dem Studenten des Maschinenbaus der Hochschule Niederrhein ein kniffliges technisches Problem für die Gartenbauer der Region lösen sollen. Projektpartner ist das Landmaschinenbau-Unternehmen van de Loo in Kleve.
Eine Premiere der besonderen Art: Erstmals beschäftigen sich die Studenten mit einem konkreten technischen Problem im Gartenbau – dem Absetzen von Callunen (Eriken) in Paletten auf den Stellflächen im Freiland. Und zwar so präzise und sorgfältig, dass der Gießwagen sauber über die Pflanzen fahren kann. Wird hier eine technische Lösung zur Automatisierung gefunden, ist ein neuer Schritt der maschinellen Rationalisierung geschafft. Und die drei beteiligten Partner des Projektes profitieren gleichermaßen: Die Studenten sammeln praktische Erfahrung mit hohem Realitätsbezug. Der Landmaschinenbauer kann ein neues Produkt anbieten. Und die Gartenbauer realisieren deutliche Einspareffekte.

Gartenbauer Karl-Heinz de Winkel zeigt Prof. Dr.-Ing. Karl Koltze und den Studenten der Hochschule Niederrhein, worauf es beim Absetzen der Callunen ankommt.
Hier funkt
die Zukunft.
Qualitätssicherung, Optimierung von Produktionsabläufen und dadurch Kosteneinsparung – Themen, die durch den Einsatz modernster Technologien entscheidend vorangetrieben werden können. Die Netzwerk-Initiative hat gemeinsam mit der Hochschule Niederrhein, der Niederrheinischen IHK und der IHK Mittlerer Niederrhein interessierte Unternehmer zum Innovationsforum RFID ins Fraunhofer Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme IMS eingeladen.
Bei der RFID-Technologie handelt es sich um die kabellose Datenübertragung mithilfe winziger Transponder. Diese lassen sich problemlos an und in Gegenständen und Lebewesen befestigen – und übertragen dann Informationen, die Logistik- und Steuerungsprozesse beeinflussen. Gekoppelt mit Sensoren, können beispielsweise Temperaturen, Feuchtigkeitswerte, Düngergaben etc. überwacht werden. Homogene Qualitäten können besser erreicht werden, Lieferzeitpunkte werden präziser vorbestimmbar. Eine Technologie, die mittlerweile sogar in Kuh-Mägen die Verdauung überwachen kann – leicht vorstellbar, wie neue Projekte in Gartenbau und Pflanzenzucht in Zukunft Produktionsabläufe, Rückverfolgbarkeit und Vernetzungen mit den Partnern der weiteren Wertschöpfungskette optimieren werden.

Logistik und Qualitätssicherung: Winzige Sensoren steuern und kontrollieren die Abläufe in Gartenbau, Landwirtschaft und Ernährungsbranche.

Hier springt der Funke über: Spannende Einblicke in aktuelle High-Tech-Entwicklungen eröffnen neue Möglichkeiten.